Expeditionskreuzfahrt Antarktis: Route, Saison und Ausrüstung
Drake-Passage, Pinguine und Zodiac-Landungen: wie eine Antarktis-Expedition abläuft, wann Sie reisen und was in den Koffer gehört.
Eine Expeditionskreuzfahrt in die Antarktis beginnt fast immer in Ushuaia im Süden Argentiniens, führt in rund zwei Seetagen über die Drake-Passage und erreicht dann die Antarktische Halbinsel. Gereist wird nur im Südsommer von etwa November bis März. An Land kommen Sie mit Schlauchbooten in kleinen Gruppen, unter strengen Umweltregeln. Die Ausrüstung muss vor allem wasserdicht, winddicht und in Schichten tragbar sein.
Expedition statt Kreuzfahrt: der Unterschied
Eine Antarktisreise hat wenig mit einer klassischen Kreuzfahrt zu tun. Es gibt keine Häfen, keine Promenaden und kein festes Tagesprogramm. Kapitän und Expeditionsleitung entscheiden täglich nach Wetter, Eis und Tierwelt, wo angelandet wird. Die Schiffe sind kleiner, haben eine Eisklasse und tragen Schlauchboote, die oft Zodiacs genannt werden. An Bord begleitet ein Team aus Naturkundlerinnen, Biologen, Glaziologen und Guides die Gäste, hält Vorträge und führt die Landgänge.
Für Sie heißt das: Flexibilität ist Teil der Reise. Ein geplanter Landgang kann wegen Wind oder Packeis ausfallen, dafür ergibt sich spontan eine Fahrt durch einen Eisberg-Friedhof oder eine Begegnung mit Walen.
Die Routen im Überblick
| Route | Typische Dauer | Charakter |
|---|---|---|
| Antarktische Halbinsel ab Ushuaia | etwa 10 bis 13 Tage | der Klassiker, zwei Überfahrten über die Drake-Passage |
| Fly-and-Cruise ab Punta Arenas | etwa 7 bis 10 Tage | Flug auf die Südlichen Shetlandinseln, Drake-Passage entfällt |
| Falklandinseln, Südgeorgien und Halbinsel | etwa 18 bis 23 Tage | große Königspinguin-Kolonien auf Südgeorgien, mehr Seetage |
| Polarkreis-Route | etwa 12 bis 15 Tage | weiter nach Süden über den südlichen Polarkreis hinaus |
| Rossmeer ab Neuseeland oder Australien | vier Wochen und mehr | selten angeboten, sehr lange Seestrecken |
Die Halbinsel-Reise ab Ushuaia ist die häufigste und für Erstreisende die naheliegende Wahl. Südgeorgien gilt unter Kennerinnen und Kennern als einer der eindrucksvollsten Orte für Tierbeobachtungen überhaupt, verlangt aber mehr Zeit.
Die Drake-Passage
Zwischen Kap Hoorn und den Südlichen Shetlandinseln liegt die Drake-Passage, die Meerenge zwischen Atlantik und Pazifik. Hier umkreist der Zirkumpolarstrom ungebremst die Antarktis, entsprechend kann die See hoch gehen. Ebenso gibt es Überfahrten, auf denen das Wasser fast spiegelglatt ist. Die Querung dauert in jede Richtung meist rund zwei Tage.
So kommen Sie gut hinüber:
- Kabine in der Mitte und tief im Schiff wählen, dort sind die Bewegungen am geringsten.
- Mittel gegen Seekrankheit vor der Reise mit Arztpraxis oder Apotheke besprechen und rechtzeitig einnehmen, nicht erst, wenn es schon schaukelt.
- Vorträge nutzen: Die Seetage dienen der Vorbereitung auf die Landgänge, mit Pflichtbriefings zu Sicherheit und Umweltregeln.
- Fly-and-Cruise in Betracht ziehen, wenn Sie sehr empfindlich sind. Der Flug ist allerdings ebenfalls wetterabhängig und kann sich verschieben.
Saison: Welcher Monat passt zu Ihnen?
| Zeitraum | Was Sie erwartet |
|---|---|
| November | Saisonstart, viel Schnee und Eis, Pinguine besetzen ihre Brutplätze |
| Dezember | sehr lange Tage, Brutzeit, Landschaft noch weitgehend weiß |
| Januar | wärmster Monat, Pinguinküken schlüpfen, gefragteste Reisezeit |
| Februar | Küken werden größer, gute Chancen auf Wale, weniger Eis |
| März | Saisonende, Walbeobachtung, längere Abende und tiefes Licht |
“Warm” ist relativ: An der Halbinsel liegen die Temperaturen im Sommer meist um den Gefrierpunkt, mal etwas darüber, mal darunter. Gefühlt kälter wird es durch Wind und Fahrtwind im Schlauchboot. Über Weihnachten und Neujahr sind die Reisen besonders gefragt.
Ein typischer Tag an der Antarktischen Halbinsel
Sobald die Drake-Passage hinter Ihnen liegt, folgen die Tage einem lockeren Rhythmus, der sich nach Wetter und Eis richtet:
- Früher Morgen: Die Expeditionsleitung gibt über Lautsprecher bekannt, ob der geplante Landeplatz erreichbar ist. Bei viel Packeis oder starkem Wind wird umgeplant.
- Vormittag: Landgang oder Zodiac-Fahrt in Gruppen. Während eine Gruppe an Land ist, fährt die andere mit Schlauchbooten an Eisbergen und Robben entlang, danach wird getauscht.
- Mittag: Das Schiff verlegt zum nächsten Ziel, oft durch Meerengen wie den Lemaire-Kanal, sofern Eis und Wetter es erlauben.
- Nachmittag: zweiter Landgang oder eine weitere Zodiac-Fahrt, teils Kajaktouren für angemeldete Gäste.
- Abend: Tagesrückblick der Expeditionsleitung mit Fotos, Erklärungen zur Tierwelt und dem Plan für den nächsten Tag.
Ein Landgang dauert meist eine bis drei Stunden. Rechnen Sie mit nassen Füßen beim Aussteigen am Strand, deshalb sind hohe Gummistiefel Pflicht. Die Reihenfolge der Gruppen wechselt täglich, damit jeder Gast die besten Zeitfenster bekommt.
Regeln für Landgänge
Die Antarktis gehört keinem Staat. Sie wird durch den Antarktisvertrag und das Umweltschutzprotokoll geregelt. Für Reiseveranstalter hat der Branchenverband IAATO zusätzlich verbindliche Richtlinien entwickelt, nach denen sich die Mitglieder richten. Die wichtigsten Grundsätze in allgemeiner Form:
- Große Schiffe ohne Landgang: Gäste sehr großer Schiffe gehen nicht an Land. Landungen sind kleineren Expeditionsschiffen vorbehalten.
- Begrenzte Personenzahl an Land: An einem Landeplatz darf jeweils nur eine begrenzte Zahl von Gästen gleichzeitig sein. Die Gäste werden deshalb in Gruppen eingeteilt und wechseln sich ab.
- Abstand zu Tieren: Pinguine, Robben und Vögel haben Vorrang. Sie halten Abstand, versperren keine Wege und gehen nicht in Kolonien hinein.
- Biosicherheit: Stiefel werden vor und nach jedem Landgang gereinigt und desinfiziert, Kleidung und Taschen vor der ersten Landung auf Samen und Erde kontrolliert. So sollen keine fremden Arten eingeschleppt werden.
- Nichts mitnehmen, nichts zurücklassen: Steine, Federn oder Knochen bleiben, wo sie sind. Essen und Rauchen an Land sind tabu.
Für Reisen, die in Deutschland organisiert werden, ist zusätzlich eine behördliche Genehmigung nötig. Darum kümmert sich in der Regel der Veranstalter. Fragen Sie im Zweifel nach, wie das bei Ihrer Reise geregelt ist.
Ausrüstung: Was in den Koffer gehört
Viele Expeditionsanbieter stellen einen wasserdichten Parka und Gummistiefel für die Landgänge, teils als Leihausrüstung. Klären Sie das vor dem Packen, denn Stiefel nehmen viel Platz weg.
Kleidung im Zwiebelprinzip
- Funktionsunterwäsche aus Merino oder Kunstfaser
- Fleece- oder Wollpullover als Mittelschicht
- wasserdichte und winddichte Überhose
- wasserdichte Jacke, falls kein Parka gestellt wird
- Mütze, Schlauchschal und zwei Paar Handschuhe (dünne Innenhandschuhe und wasserdichte Außenhandschuhe)
- warme Socken zum Wechseln
Schutz und Technik
- Sonnenbrille mit hohem UV-Schutz, das Licht auf Schnee und Eis blendet stark
- Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor und Lippenpflege
- wasserdichter Rucksack oder Packsack für Zodiac-Fahrten
- Fernglas
- Kamera mit Ersatzakkus, die bei Kälte schneller leer werden
- Mittel gegen Seekrankheit, nach Beratung in Arztpraxis oder Apotheke
Für die Anreise
- Kleidung für den Sommer in Buenos Aires oder Santiago, wo viele Reisen mit einer Hotelnacht beginnen
- Puffertag vor der Einschiffung, falls ein Anschlussflug ausfällt
Gesundheit und Versicherung
In der Antarktis gibt es keine Krankenhäuser. Medizinische Versorgung leistet nur das Bordhospital, und eine Evakuierung hängt vom Wetter ab. Viele Anbieter verlangen deshalb einen ärztlichen Fragebogen und eine Versicherung, die Notfallevakuierung und Rücktransport einschließt. Prüfen Sie die Bedingungen Ihrer Auslandskrankenversicherung genau, bevor Sie buchen. Auch die Einreise nach Argentinien oder Chile für den Start der Reise sollten Sie anhand der Hinweise des Auswärtigen Amts prüfen.
Welche Reedereien in die Antarktis fahren
Antarktis-Expeditionen bieten spezialisierte Expeditionsreedereien an, im deutschsprachigen Raum etwa Hapag-Lloyd Cruises und HX (Hurtigruten Expeditions), international unter anderem Ponant und mehrere angelsächsische Expeditionsanbieter. Die Unterschiede liegen in Schiffsgröße, Bordsprache, Komfort und im Umfang des Programms, zum Beispiel Kajakfahren oder Übernachtungen im Zelt. Je kleiner das Schiff, desto mehr Zeit bleibt in der Regel pro Gast an Land. Allgemeine Unterschiede zwischen den Reedereien erklärt der Reedereien-Vergleich.
Für wen sich die Antarktis eignet
Eine Antarktis-Expedition passt zu Reisenden, die Natur und Tiere über Komfort und feste Programme stellen. Sie sollten mit Seegang, Kälte und kurzfristigen Planänderungen umgehen können. Wer erst testen möchte, ob ihm polare Landschaften liegen, findet in Norwegen und am Nordkap einen nahen Einstieg. Alle Fahrgebiete im Vergleich stehen unter Kreuzfahrtgebiete.
Fragen und Antworten
Wann ist die beste Reisezeit für die Antarktis?
Gereist wird nur im Südsommer zwischen etwa November und März. Im November ist die Landschaft noch tief verschneit und die Pinguine beginnen mit dem Nestbau. Dezember und Januar bieten die längsten Tage und die ersten Küken. Februar und März gelten als gute Monate für Walbeobachtungen. Eine beste Zeit für alle gibt es nicht, es kommt auf Ihre Interessen an.
Wie schlimm ist die Drake-Passage?
Die Drake-Passage zwischen Südamerika und der Antarktis gilt als eines der rauesten Seegebiete der Welt, kann aber auch ruhig sein. Rechnen Sie mit Seegang und nehmen Sie ein Mittel gegen Seekrankheit mit, das Sie vorher mit Arztpraxis oder Apotheke besprochen haben. Wer die Überfahrt vermeiden möchte, kann eine Variante mit Flug auf die Südlichen Shetlandinseln wählen.
Kann man mit einem großen Kreuzfahrtschiff in die Antarktis?
Große Schiffe fahren teils an der Antarktischen Halbinsel entlang, ihre Gäste dürfen nach den Richtlinien des Branchenverbands IAATO aber nicht an Land. Landgänge mit Schlauchbooten sind kleineren Expeditionsschiffen vorbehalten. Wer die Antarktis betreten möchte, sollte deshalb gezielt ein Expeditionsschiff wählen.
Wie fit muss man für eine Antarktis-Expedition sein?
Sie sollten sicher in ein schwankendes Schlauchboot ein- und aussteigen und auf Schnee, Fels und Kies einige Zeit gehen können. Viele Anbieter verlangen vor der Reise einen medizinischen Fragebogen. Medizinische Versorgung ist in der Antarktis nur an Bord möglich, eine Evakuierung kann Tage dauern.
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